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Tierschutz e.v.

Landschildkröten

Landschildkröten

Ein Plädoyer an die Vernunft

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Landschildkröten sind mittlerweile streng geschützt. Man kann sie heutzutage im Grunde nur noch als Nachzuchttier erwerben. Notieren Sie sich beim Kauf vorsichtshalber Namen und Anschrift des Verkäufers, da Sie einen Herkunftsnachweis benötigen.

Die Haltung der Tiere ist nicht unproblematisch. Schildkröten ganzjährig in einem Terrarium zu halten, ist im Grunde Tierquälerei. Ein Terrarium sollte nur in der Übergangszeit nach dem Aufwachen nach der Winterruhe oder zur Überbrückung der nasskalten Periode in den Monaten April/Mai sowie Oktober/November zur Vorbereitung auf die Winterruhe verwendet werden. Es muss eine Größe von mindesten 1 m² aufweisen.

Der Bodengrund muss auf die Tiere abgestimmt sein. Er muss Wärme und Feuchtigkeit gleichzeitig speichern können. Im Fachhandel gibt es spezielle Erde.

Unverzichtbar für ein halbwegs artgerechtes Leben ist die Freianlage im Garten. Die Freianlage muss ein kleines Gewächshaus enthalten und mindestens einen trockenen Hügel, der von morgens bis abends besonnt ist. Außerdem muss die Anlage mit einem Schutznetz gegen Greifvögel und Krähen ausgestattet sein. Darüber hinaus empfiehlt sich ein Untergrabungsschutz (Metallgitter), welches auch Mäuse am Eindringen hindert.

Besonders kompliziert ist die Unterbringung im Winter. Schildkröten halten mehrere Monate einen Winterschlaf. Vor der Einschlafphase darf das Tier über Tage hinweg kein Futter mehr aufnehmen und entleert den Darm. Die Überwinterungstemperatur liegt in der Regel bei 4 bis 6° C.

Die Überwinterung ist mittlerweile schwierig geworden, weil es kaum noch kalte Keller gibt, die diese Temperaturen aufweisen. Allenfalls suboptimal ist die Überwinterung ein einem z. B. mit feuchtem Seramis gefüllten Behälter im Kühlschrank. Das Tier kann austrocknen. Wöchentliche Kontrollen der Luftzufuhr und der Feuchtigkeit sind erforderlich. Gut ist die Aufbewahrung in einem Gewächshaus oder einer sog. Überwinterungskiste, die beispielsweise im Gartenhaus aufgestellt wird. Das ist eine Holzkiste in einer Größe von ca. 70 x 70 cm und 80 cm Höhe. Der Boden wird mit einer Teichfolie bedeckt. Dann folgt eine 10 cm dicke Schicht aus Blähton als Feuchtigkeitsspender. In diesen Blähton steckt man ein 80 cm langes Kunststoffrohr, durch welches man bei Bedarf Wasser zuführen kann. Als nächste Schicht folgen ein Wurzelflies und ca. 20 cm Walderde (die Erde muss ungedüngt sein). Der Rest wird mit Buchenlaub gefüllt. Mit einem Hygrometer, das in der Mitte der Kiste, oberhalb der ungedüngten Erde verankert ist, wird die Feuchtigkeit überprüft. Sie soll regelmäßig bei 70 bis 80 Grad liegen.

Das Halten von Schildkröten ist fast schon eine wissenschaftliche Aufgabe, welche den Tierhalter rund ums Jahr fordert. Man sollte sich deshalb im Klaren sein, dass die Haltung von Schildkröten nichts für Kinder ist, sondern für jemanden, der sich die Haltung dieser Mitgeschöpfe zur Lebensaufgabe gemacht hat. Die Schildkröten werden Sie garantiert überleben! Sie werden bis zu 80 Jahre alt. Wer sich in relativ überschaubarer Zeit einen Überblick über die Haltung von Landschildkröten machen möchte, dem empfehle ich das sehr gelungene Buch „Landschildkröten“ von Hartmut Wilke, erschienen im Verlag GU für 8,99 €. Oder Sie besuchen den aus kompetenten Experten zusammengesetzten „Schildkrötenstammtisch“, der immer am ersten Freitag im Monat im Hartlwirt in Salzburg/Liefering tagt.